Unterhaltend

 

„Dieses Buch wurde in sieben Wochen … geschrieben“, erklärt Wilko Müller jr. im Nachwort zu seiner ersten Fräulein-Schmidt-Geschichte, die 2011 herauskam. Und das merkt man: Wie man es von ihm gewohnt ist, ist das Ganze zwar sauber runtererzählt, in Sachen Spannungsbogen & Co. aber nicht zu Ende optimiert. Damit habe ich das Nicht-so-Gute schon mal erwähnt, widmen wir uns nun dem Rest:

Worum geht es?

Franz Wichowski ist Antiquariatsbetreiber. Eines Tages fällt ihm beim Bücherräumen buchstäblich ein Zettel vor die Füße. Weil er nicht zum Buch – einer alten Abhandlung über Maler der Renaissance – gehört, legt er ihn erstmal beiseite. Er hätte ihn auch wegwerfen können, aber es reizt ihn, die Sütterlin-Handschrift zu entziffern. Ehe er das schafft, kauft jemand das Buch und stirbt kurz darauf direkt vor dem Laden. Wichnowksi ist mitgenommen, seine Verkäuferin – eben jenes Fräulein Schmidt – lässt der Vorfall kalt. Was, wie sich bald herausstellt, wohl daran liegt, dass sie für eine geheime Loge arbeitet. Die wiederrum hat mit dem Buch zu tun und dem Zettel. Es geht um eine alte Prophezeiung, die mit dem "Ende" des Maya-Kalender zu tun hat.

Maya-Kalender? Da war doch mal was … Genau: Das Ende der Welt stand bevor. Zumindest, wenn man sich in den Medien umtat oder auf einschlägigen Internetseiten surfte. Auch die These, dass am besagten 21. 12. 2012 die Außerirdischen auf die Erde zurückkommen würden, gab es. Inzwischen wissen wir, dass die Leute recht hatten, die darauf hinwiesen, dass einfach nur der große Kalenderzyklus der Maya "rum war". Oder besser: Alles sieht so aus, als hätten sie recht gehabt. Und Herr Wichnowski ist – wenn auch unfreiwillig – der Grund dafür.

Wie ist es erzählt?

Wilko Müller jr. schreibt routiniert, der Text ist recht süffig erzählt. Ab und an gibt es ein Augenzwinkern; die Fakten werden so eröffnet, dass es immer interessant bleibt; die Figuren sind solide entworfen und erzählt. Perfekt ist das alles nicht, aber da spricht wahrscheinlich vor allem der Lektor aus mir, der immer auch das Potential so einer Story mitliest.

Wie sieht das Buch aus?

Das Buch ist ein echtes Taschenbuch – mit 11 mal 17 cm kleiner als A5 und mit 139 Seiten ordentlich großer Schrift tragefreundlich und gut zwischendurch zu konsumieren. Ein schlichtes Cover – eine Maya-Pyramide auf blauem Hintergrund – hat wohl nicht ganz den anlockenden Effekt, den das Buch verdient hätte, dafür ist an Satz und Korrektorat (nahezu) nicht zu meckern. Bei einem Buch, das in einem Verlag erschien – hier dem Projekte-Verlag Cornelius, der inzwischen so nicht mehr existiert –, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich …

Fazit:

Das erste Abenteuer mit Fräulein Schmidt empfand ich als gute Unterhaltung – süffig erzählt, angenehme Länge der Story und handliches Buchformat und mit 8,80 Euro zwar kein Schnäppchen, aber bezahlbar.

Nachtrag:

Der Projekte-Verlag ist zwar passé, die Bücher über Fräulein Schmidt gibt es aber (unter anderem) noch im Shop bei Edition SOLAR-X oder – auch als E-Books – auf den üblichen Plattformen.


Homepage von Wilko Müller jr.