Aberwitzig

 

(20. 1. 2014 / 30. 7. 2014) Irgendwas zwischen „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Futurama“ sollte die Geschichte sein, die mir der Autor – benutzen wir hier mal sein Synonym Jonathan Turner – da zum Lektorieren vorlegte. „The Watchmaker“ hatte er sie genannt, vor Kurzem ist sie unter dem Titel „Schatzsuche wider Willen“ bei neobooks herausgekommen. Der erste Teil mit dem Untertitel „Das Küken markiert den Punkt“ zumindest, aber der zweite hockt schon in den Startlöchern.

Wenn jemand bei der Beschreibung seines Werkes so hoch greift wie mit dem Bezug auf den Anhalter, dann grummelt es in mir. So einem Anspruch ist nicht leicht gerecht zu werden. Zudem konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, wie der Anhalter mit „Futurama“ unter eine Decke zu bringen sein sollte. Nun: Jonathan Turner hat das geschafft. Die Figuren, die sich auf dieser Reise von Station zu Station quer durchs Weltall tummeln, sind schräg, bunt und echte Typen. Die drei Hauptfiguren werden in aberwitzige Ereignisse verstickt, die sie meist selbst (mit)auslösen.

Als ich das Buch in die Hand bekam, war ihm sehr deutlich anzumerken, dass ein Erst-Autor am Werk gewesen war. Das ist ok, es ist mein Job, solche Texte verbessern zu helfen. Wie sich der Stil dann entwickelt, ist nie abzusehen. In dem Fall hat sich ein Klag eingestellt, der. sehr gut zu Futurama passt, so mit seinem Detailwitz und der eher flächigen Darstellung, die sich auf das Zeichnen der wesentlichen Handlungsmomente beschränkt. Dabei entwickelt der Text einen gewissen rasanten Grundton und spult mit einer Selbstverständlichkeit absurde Dialoge und Ereignisse ab, dass nirgends Langweile aufkommt.

Es beginnt alles mit Hank Johnson, einem – vorsichtig ausgedrückt – weltfremden Einsiedler. Dem geht eines Tages seine Digitaluhr kaputt und weil das so ziemlich das Schlimmste ist, was er sich in diesem Moment vorstellen kann, macht er sich auf den Weg in die Stadt, die er wegen des wirren Gewusels aus Menschen und Aliens eigentlich nie wieder hatte aufsuchen wollen. Er stolpert dabei Old Bob vor den Bus, der in seiner Gutmütigkeit keine Chance hat, Hank nicht mitzunehmen. Das Dumme daran: Auch in der Stadt wird er Hank nicht los, denn als Hank erfährt, dass man auf der Erde so altmodische Digitaluhren nicht mehr reparieren kann, geht er ganz selbstverständlich davon aus, dass Old Bob – der einen Shuttle-Pendel-Service Erde-Mond betreibt – ihn zu einem passenden Uhrmacher bringt. Noch dümmer: Als Old Bob und Hank in Bobs Shuttle steigen, ist dieses bereits von Johnny, dem Weltraumpiraten, als Transportmittel für seine Schatzsuche auserkoren – Old Bob wird einfach als Chauffeur „verpflichtet“ und Hank mangels Alternative mitgenommen.

Wer denkt, dass die dummen Zufälle nun enden, der irrt. Und zwar gewaltig. Da ist zum Beispiel der Umstand, dass Johnny sich die Birne mit einem Drink zukippt, der nach dem ersten halluzinogenen Rausch zeitverzögert weitere Halluzinationsepisoden auslöst. Oder dass die Schatzkarte, die Johnny benutzt, ein kleines aufmüpfiges Computer-Kücken ist, das in einem Metallkästchen hockt. Es versorgt den Schatzsucher mit Koordinaten, an denen jener einen weiteren Hinweis bekommt, den das Kücken in Koordinaten umwandelt, die den Schatzsucher an einen Ort führen, an dem er einen Hinweis bekommt, den das Kücken … und so weiter und so weiter. Kurios sind dabei nicht nur die Wesen und Orte, die das Trio auf diese Weise „abarbeitet“, auch dass jeder neue Tippgeber für den Schatz zugleich auch Uhrmacher ist, fällt auf.

Zu den irren Dingen und Leuten, denen Hank, Old Bob und Johnny begegnen, gehören sprechende Papageien, die Menschen als Haustiere haben, durchgeknallte Schiffscomputer, Steuerfahnder im Kampfpanzer, Rieseninsekten und ortsveränderliche Häuser … Und dann ist da auch noch Carl, der Weltraumbandit, der seinerseits das Trio unter seine Fuchtel bringt und dessen Ziele noch düsterer sind als die von Johnny.

Im Zweiten band wird es nicht „seriöser“, im Gegenteil: Vulkangötter, Wunderwesen, Drachen, verschwindende Werkzeuge, Getänkedosen als Lebensraum … und schließlich der Showdown mit dem geheimnisvollen Großen Uhrmacher und dem Schlächter, der seinen Schatz nicht einfach so hergeben will.

Auch wenn das Buch beim Einstieg ein wenig Geduld erfordert, weil Hank doch etwas länger braucht, um sich auf den Weg zu machen, wird spätestens ab der Ankunft in der Stadt Schlag auf Schlag erzählt. Alle die Verwicklungen und kruden Aktionen von Hank erzeugen richtig Tempo. „Leere“ Überbrückungsszenen, wie sie sich bei einer Odyssee wie dieser zwischen den Stationen schon mal einschleichen können, gibt es hier praktisch gar nicht – bestenfalls ein bisschen Luftholen ist dem Leser gestattet. Und auch das gelegentliche Teilen des Plots – wenn die Figuren getrennte Wege gehen – zeigt durchaus ein sehr gesundes Grundgespür des Autors für Spannungsbögen und Handlungsrhythmik.

„Schatzsuche wider Willen“ ist was für Fans kunterbunter Ideen, schrägen Humors und rasanter Unterhaltung. In diesem Sinne: Empfehlenswert!



Band 1 erhältlich bei
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Homepage von Jonathan Turner


Jonathan Turner „Schatzsuche wider Willen – Band 1: Das Küken markiert den Punkt“
neobooks (8. Januar 2014); E-Book; 180 Seiten; ISBN-13 978-3-8476-6804-6; 2,99 Euro

Jonathan Turner „Schatzsuche wider Willen – Band 2: Der Schatzplanet hinter dem Orion … und dann rechts.“
neobooks (14. Februar 2014); E-Book; 166 Seiten; ISBN-13 978-3-8476-7531-0; 2,99 Euro