Sehr unterhaltsam

(Mein Bericht auf ciao.de) ChickLit ist eigentlich nicht so mein Ding, aber gute Unterhalt bietet das Genre doch ab und an. Bei „SOS – Liebe kann schwimmen“ trifft das in besonderem Maße zu. Es ist das zweite Buch dieses Genres von Emma Lots und es – wie schon das erste „Telefonseelsorge – Liebe hat eine lange Leitung“ – im FeuerWerke-Verlag erschienen.

Die Handlung

Worum es geht, ist schnell umrissen: Mia ist seit langem solo und hat die Verkupplungsversuche ihrer Freundinnen satt. Ganz spontan bucht sie eine Single-Kreuzfahrt. Dort muss sie sich die Kabine mit Nina teilen, einer deutlich simpler als Mia gestrickten Frisörin. Zu den Verkupplungs-Tools an Bord gehört ein Pager. Für ganz junge Leser: Das ist eine Art Handy, mit dem man aber nur SMS verschicken und lesen kann. Jeder Single an Bord hat eine Nummer, die er (normalerweise) immer sichtbar angesteckt tragen soll, damit Interessenten mit ihm über diesen Pager Kontakt.

Wie gesagt: Normalerweise! Würden sich alle dran halten, würde Mia ziemlich schnell rauskriegen, wer diese Nummer 99 ist, die ihr diese liebenswert frech-lustige Nachrichten schickt. So muss sich Mia aber durch alberne Spiele kämpfen und sich diverser Ballermann-Typen erwehren. Auch andere Probleme erschweren die Suche nach Nummer 99 …

Stil und Lesefluss

Emma Lots hat auch dieses Buch in einem eigenen, außerordentlich unterhaltsamen Stil geschrieben. Vor allem Mia sarkastische Gedanken, die nahezu alles kommentieren, sorgen für eine lustige Grundstimmung, die deutlich gezeichneten Situationen, die sich gelegentlich hart am Slapstick bewegen, ohne jedoch zu albern wirken, tun ihr Übriges.

Eine kleine Kostprobe:

Sie wirft einen Blick auf das majestätische Kreuzfahrtschiff, das direkt vor ihr aufragt. Unter all den vor Anker liegenden Schiffen erkennt man die MS-Love sofort. Nicht, weil es eines der größten Kreuzfahrtschiffe im Hafen ist, sondern weil am Bug ein riesengroßes, kirschrotes Herz prangt.
Mia legt den Kopf schief. Bisschen arg kitschig.
Am Eingang kontrollieren zwei uniformierte Männer die Bordkarten und Ausweise. Wer durchgewunken wird, steigt die mit rotem Teppich ausgelegte Treppe zum Schiff hinauf. Ein klein wenig wie die Arche Noah. Männlein und Weiblein. Hinter ihr rülpst ein Mann und Lacher ertönen. Oh: Und Affen.
In Tippelschrittchen geht es vorwärts und Mia beäugt neugierig die anderen Passagiere. Also an Quantität mangelte es hier nicht.
„Einer geht noch, einer geht noch rein …“, grölt es von der Männergruppe weiter hinten.
Aber an Qualität. Sie wirft einen vorsichtigen Blick über ihre Schulter.
Die Männer stoßen gerade mit kleinen Schnäpsen an. „Auf sieben Tage vögeln!“ Alle brüllen zustimmend und klatschen sich ab.
Na toll! Ballermann-Touristen. Noch kannst du umdrehen. Ich hab die Abfahrt verpasst. Greenpeace hat das Schiff gekapert. Es ist vor meinen Augen gesunken, ehrlich. Mia strafft ihren Rücken. Nein, das zieh ich jetzt durch. Immerhin hat sie bereits den ein oder anderen aufrecht gehenden, nicht betrunkenen und durchaus vorzeigbaren Mann gesehen. Es gibt Hoffnung.

Diese eingeschobenen Gedanken sind – in der Konsequenz zumindest – eher ungewöhnlich, machen aber den besonderen Charme des Emma-Lots-Stils aus. So ist man ganz dicht dran an der Figur.

Zum anderen findet alle Wertung nur über diese statt – die Autorin selbst beobachtet das zum Teil doch recht fragwürdige Verhalten der Single-Reisenden recht wertungsfrei aber mit Sinn fürs Wesentliche. Das klingt vielleicht recht akademisch, so, als würde ich auf Teufel komm raus „große Literatur“ aus dem Buch machen wollen, tatsächlich trägt das aber sehr zur Leichtigkeit des Buches bei: Es fehlt der moralische Zeigefinger oder das Autoren-Naserümpfen über „sowas“ – man kann sich einfach trieben lassen und zugucken, wie sich Mia durchs Bordleben manövriert.

Eine sehr schöne Idee finde ich die Figur von Nina, die auf den ersten Blick auch so ein Party-Huhn wie so manch andere an Bord ist. Sie gibt sich nicht ganz so nuttig wie andere, das stimmt schon, aber sympathisch? Anfangs eher nicht. Sie wird es aber – sympathisch, meine ich – im Laufe des Buches recht schnell. Mia braucht einen Tick länger, ihr Naserümpfen über die Zimmergenossin ganz loszuwerden, aber Ende empfindet sie Nina als echte Freundin.

Fazit

Ich habe es sehr genossen, „SOS – Liebe kann schwimmen“ zu lesen. Immer wieder musste ich schmunzeln und ab und an hab ich sogar gelacht. Für meinen Geschmack war das Erzähltempo ein bisschen zu hoch, andererseits wird man dadurch so mitgerissen, dass man die reichlich 220 Seiten geradezu durchfliegt. Alles in allem: Wunderbare Urlaubslektüre!




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