Lachnummer im besten Sinne

 

Jonathan Turner liebt es schräg. Nach der Science-Fiction-Comedy um den Schatz des Weltraumpiraten hat er sich nun ein klassisches Fantasy-Thema vorgenommen: die Queste. Bekanntlich besteht das Grundmuster darin, dass ein verhältnismäßig einfacher Bursche – der zukünftige Held – eher unfreiwillig aufbricht, um eine bestimmte Aufgabe – meist geht es um Weltenrettung – zu lösen, dabei Gefährten „aufsammelt“ und mit deren Hilfe am Ende die Aufgabe löst.

Der Held in „Zorks Queste“ nun ist Zork. Anders als üblich ist er kein einfacher Bursche, er ist ein mächtiger Magier. Allerdings ziemlich heruntergekommen: Säufer, Zyniker, Einzelgänger und – gelinde gesagt – etwas unsensibel. Einerseits gilt er dem Volk als Held, andererseits nervt er seinen König derart, dass dieser ihn kurzerhand auf eine Queste schickt, die er nach menschlichem Ermessen nicht überleben wird: Zork soll nicht weniger als den Oberdämon, den Bösesten der Bösen, den Vernichter der Menschheit – also Satan höchstselbst – zur Strecke bringen.

Um den Schein zu wahren, stellt ihm König Tallgood eine Heldentruppe zur Seite, die den Namen kaum verdient. Mit dabei Björn Lars, der muskelstrotzende Barbar, Darius, der Elf mit dem sonnigen Gemüt, der penetrant edle Ritter Sir Richwell, der notorische Dieb Cody, der auf diese Weise gleich mit entsorgt werden soll, sowie der Mönch Clavius, der als Chronist mit auf Reisen geht und dessen Bericht wir lesen.

Nun: Das Buch ist Comedy, da bedienen die Figuren Klischees. Aber das tun sie auf herrlich schräge Weise. Sir Richwell, seines Zeichens Paladin, ist sowas von ritterlich und edel, dass es schon absurd ist; der Barbar ist kampfeswillig, gehörte aber auch in seinem Volk sicher nicht zu den geistigen Leuchten der Gesellschaft; der Elf ist super naiv, der Dieb egoistisch-kleptoman; und der Chronist hat sowas von die rosarote Brille auf, dass es wehtut. Am normalsten in dem Haufen ist – trotz seines wirklich gravierenden Alkoholproblems – tatsächlich Zork.

Und dann ist da noch Rüdiger. Oft als Vernichter der Menschheit, Erzdämon, Satan und dergleichen bezeichnet, nimmt er seine Rolle als eben dieser sehr ernst. Mit allerlei Hexenwerk und ganz viel Bosheit versucht er, unterstützt durch seinen Raben Scarecrow, die Helden aufzuhalten und zu vernichten. Er geht dabei teuflisch schlau vor – denkt er zumindest. Aber er unterschätzt das Chaospotential der Heldentruppe ganz gewaltig. Und nicht nur Zork & Co. reagieren unberechenbar, auch Freund Zufall steht eher auf der Seite der Helden.

Das alles zusammen führt dazu, dass die Queste zur Lachnummer wird. Und zwar im besten Sinne des Wortes. Was die Helden erleben, was sie anstellen und wie sie sich dabei mehr schlecht als recht zusammenraufen, geht auf keine Kuhhaut. Die Treppe der Elf Gebote, der Ausflug in Zorks Lieblingscafé, die Schiffsreisen, Yetis, einstürzende Gasthäuser … das ist köstlich zu lesen. Und immer wieder flutscht der Text unversehens in klasse Dialoge, bizarre Wendungen und – und das ist eine der besonderen Stärken des Autors – in mitreißende Actionszenen.

Vor allem zum Ende hin, wenn das Finale naht, verdichtet sich diese an Martial Arts erinnernde Action und lässt nicht nur die Spannung hochkochen, sondern offenbart auch die Stärken in der Figurenzeichnung, die am Anfang scheinbar nur der Überzeichnung zwecks Humorerzeugung diente.

Ob Zork und Konsorten am Ende siegen? Na klar – gegen so ein Chaos hat auch ein Erzdämon namens Rüdiger keine Chance!

Fazit: Lesenswert!

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