Teufelszeug Füllwörter

 

Füllwörter sind ganz schlimm. Diesen Eindruck vermitteln viele Schreibratgeber, das wird in Schreibkursen vermittelt und in Foren breitgetragen. Zu recht. Denn Füllwörter sind wirklich schlimm, sie verwässern den Text, blasen ihn künstlich auf und im Extremfall bekommt man als Leser den Eindruck, dass der Autor nur schwafelt.

Wirklich problematisch wird das Thema dann, wenn Listen mit Füllwörtern ins Spiel kommen. Diese wirken, als gäbe es eine Wortart „Füllwort“, die vom Autor gemieden werden muss wie die Pest. Das gibt es allerdings ebensowenig, wie es Wörter gibt, die nie Füllwort werden könnten. Im Detail heißt das:

1: Es gibt Wörter, die werden sehr schnell zu Füllwörtern. Klassiker, die man fast überall findet, sind „eigentlich“, „nun“, „irgendwie“, „einfach“ … bis hin zum berüchtigten „äh“ und seinen Verwandten. Letzteres wird man als Schreiber kaum im Erzählteil einsetzen, weil jedem die Inhaltslosigkeit des Wortes bewusst ist. Bei allen anderen Wörtern ist das nicht so einfachen, denn …

2: … Füllwörter sind nicht per se inhaltsleer, ihr Inhalt trägt nur nichts zum Satz bei. Oder – und das passiert noch häufiger – das Füllwort weicht eine Aussage auf. Beispiel: „Sie fühlte sich irgendwie traurig.“ Im Erzähltext wirft das die Frage auf, was „irgendwie traurig“ im Unterschied zu „traurig“ ist. Nur ein bisschen traurig? Dann „ein bisschen traurig“ schreiben! Kann sie nicht entscheiden, ob es Traurigkeit oder nur Bedauern oder etwas anderes ist? Dann das schreiben!

3: In der wörtlichen Rede sind Füllwörter an sich okay: Sie lassen die Sprache echter wirken. Das Problem für manchen Autor besteht darin, ganz klar zwischen Rede und Erzählteil zu unterscheiden. Deshalb ist es hilfreich, auch in der wörtlichen Rede Füllwörter zu vermeiden oder/und sie nur bewusst als charakterisierendes Stilmittel zu verwenden.

4: Weil Füllwörter oft Stimmungen transportieren bzw. „reiner Klang“ (ohne Inhalt) sind, sind sie manchmal auch bei Erzählteilen hilfreich, um zum Beispiel einen Text weicher fließen zu lassen.

5: Und manchmal dient so ein Wort auch tatsächlich zur Präzisierung einer Aussage.

Fazit: Mit Füllwörtern ist es wie mit allen Elementen im Text: Sinnvoll eingesetzt, sind sie gut für Stil, Klang und Aussage; ein Zuviel ist zu viel.