Prolog und Epilog

 

Was ist das?

Im Unterschied zum Vor- oder Nachwort sind Prolog und Epilog erzählende Teile des erzählendes Gesamttextes. Im Vor- oder Nachwort „spricht“ der Autor, der Herausgeber oder jemand anderes über das Buch, über den Autor, gesellschaftliche oder wissenschaftliche Bezüge oder ähnliches. Prolog und Epilog hingegen sind in erster Näherung Kapitel des Buches, Kapitel mit besonderen Eigenschaften.

Die „besonderen Kapitel“

Prolog und Epilog können sich extrem vom Haupttext unterscheiden: Sie können eine andere Zeitform benutzten und/oder aus einer anderen Perspektive erzählen und/oder einen völlig anderen Duktus haben, ja sogar als Lyrik bei einem Prosa-Werk oder Prosa bei einem lyrischen Werk daherkommen.

Prolog und Epilog können sich stark vom Haupttext unterscheiden, müssen es aber nicht. Sie können auch einfach in Ort und/oder Zeit stark vom Haupttext abweichen – also weit entfernt von oder weit vor beziehungsweise nach der Hauptgeschichte spielen. Auch Vorgriffe auf Handlungsmomente, die mitten im Buch verankert sind, sind möglich.

Hier steckt auch schon ein häufig gemachter Fehler: Oft ist der Prolog eigentlich das erste Kapitel, das nur per Überschrift zum Prolog deklariert wird. Wenn man „vergisst“, den Prolog zu lesen und es sich anfühlt, als fehle am Anfang was, dann hat man es höchstwahrscheinlich mit dieser Art Fehler zu tun.

Man kann mit Prolog und Epilog arbeiten oder nur mit einem von beidem. Oder auf diese Mittel ganz verzichten. Letzteres ist immer die erste Wahl. Warum? Dazu gleich mehr.

Wozu dient der Prolog?

Der Prolog, so liest man gelegentlich in Schreibforen, diene dazu, mit einer spannenden Szene in das Buch einzusteigen. Und er diene – vor allen in den Phantastik-Genres – dafür, vorab einen Blick in die fremde Welt zu gestatten, so dass der Leser ein erstes Gefühl für die Besonderheiten des Sets bekommt.

Vergessen Sie das!

Natürlich soll der Prolog nicht langweilig sein und natürlich stimmt er den Leser oft auf das Set ein. Aber das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es, einen oder mehrere wesentlichen Elemente zu präsentieren, die nicht anders im Text unterzubringen sind.

Wenn man „vergisst“, den Prolog zu lesen und sich im Laufe des Textes keine Fragen ergeben, die durch das Lesen des Prologes beantwortet werden würden, dann hat der Prolog diese Aufgabe nicht erfüllt. Beispiel: Im Prolog wird ein traumatisches Erlebnis erzählt, das der Protagonist in seiner frühen Jugend hatte. Dieses Erlebnis führt dazu, dass er im Hauptteil der Geschichte etwas anscheinend sehr Untypisches tut (vielleicht bekommt der vermeintlich Furchtlose eine Panikattacke wegen eines an sich harmlosen Geräusches), was zu gravierenden Konsequenzen führt. Wenn man den Prolog „vergessen“ hat, dann wird man beim Lesen ein Gefühl von „Wieso das denn?!“ haben – mit Prolog weiß man aber, woher das kommt.

Eine Spielart davon ist, dass eine oder mehrere Passagen im Text bei Kenntnis des Prologes klarer sind also ohne oder sogar eine gewisse Umdeutung erfahren. Beispiel: Wenn in einem Krimi der Ermittler aus den Tatumständen heraus eine gewisse Vermutung über den Antrieb des Täters anstellt und dies ihn auf die Spur des Täters führt, dann ist das im Hauptteil des Buches „rund“. Ein Prolog könnte zeigen, dass der Antrieb des Täters aber ein anderer ist – das kann die Spannung im Buch erhöhen (fängt der Ermittler den Bösewicht trotzdem?) oder/und es kann dem Ganzen einen Hintergedanken zum Thema Vorurteile mitgeben.

Das heißt nicht, dass ein Prolog, der nicht so unverzichtbar zur Story beiträgt, immer schlecht ist oder störend wirkt. Aber er ist überflüssig und idealerweise ist in einer Geschichte, einem Buch nichts überflüssig. Da andererseits Prologe aber oft wirklich eher schlecht sind – sie entweder vor Infodumping nur so triefen, beim Versuch der Spannungserzeugung etwas schiefging oder der Prolog so merkbar überflüssig ist, dass man sich ärgert, Zeit daran verschwendet zu haben – sollte man ihn wirklich nur nutzen, wenn es gar nicht anders geht. Und das ist meiner Erfahrung sehr selten der Fall.

Wozu dient der Epilog?

Auch für den Epilog gilt: Er soll etwas Essentielles liefern. Das aber darf nicht die Essenz des Buches sein. Beispiel: Wenn ein Krimi erzählt, wie der Kommissar den Fall löst, darf die Lösung durch den Kommissar nicht im Epilog stehen. Wenn die Essenz des Krimis darin besteht, dass der Kommissar scheitert, dann darf im Epilog stehen, dass irgendwann irgendwer des Fall löst (und man sieht, wie nach der Ermittler dem Bösewicht eigentlich schon gewesen war, oder dass er von Anfang an gar keine Chance gehabt hat, den Täter zu finden).

Es gibt noch eine zweite Funktion des Epiloges: Wenn es auch einen Prolog gibt, dann vollendet der Epilog gewissermaßen die Klammer um den Haupttext. Tut er das nicht, ist also ein zweites „Sonderkapitel“, wirkt das meist wie ein Konstruktionsfehler.

Merksatz: Benutze die Mittel „Prolog“ und/oder „Epilog“ nur, wenn es gar nicht anders geht.