Schreibhandwerk konkret

 

In meiner Zeit als Leser und Kommentator auf der Leselupe und in anderen Foren habe ich viele Kritiken und vor allem viele Antworten darauf gesehen. Auf einige typische Ausreden dafür, warum ein Text nicht verbessert werden muss, reagiere ich inzwischen regelrecht allergisch.

Ausrede eins: Ich schreibe ja nur für mich.
Der Schwachpunkt dieser Aussage ist schnell klar: Wäre es wirklich so, hätte der Autor den Text nicht den Lesern im Forum vorgelegt.

Ausrede zwei: Das ist künstlerische Freiheit.
Das klingt im ersten Moment plausibel, hält aber oft der Kontrollfrage „Und warum hast du gerade dieses künstlerische Mittel gewählt?“ nicht stand.

Ausrede drei: Es zählt doch vor allem der Inhalt!
Dieses Argument ist ungefähr so sinnvoll, wie wenn der Autokunde Rostflecken und beschädigten Lack moniert und der Händler erwidert „Was wollen Sie denn? Das Auto hat doch Sportlenkrad, Klimaanlage, ESP, ABS, selbsttönende Scheiben, Softtop …“ All das nützt nichts, wenn einem das Auto nicht gefällt oder es – noch schlimmer – durchrostet und auseinanderfällt.

Ausrede vier: Aber Goethe/Kafka/Hohlbein/Lindgreen … hat das auch so gemacht.
Schon möglich. Aber der/die konnte es auch, er/sie beherrschte dieses Mittel.