Warum Schreiber schreiben

 

Warum schreiben Sie? Die korrekte Antwort wäre: um zu kommunizieren.

Klammern wir mal die Leute aus, die auf diese Weise mit Ämtern, mit Kunden oder Auftragnehmern oder mit Fachkollegen kommunizieren (müssen). Das ist gewissermaßen reine Verständigung miteinander.

Als zweites gibt es die Gruppe derjenigen, die „für sich selbst“ schreiben. Stichwort hier: das private Tagebuch. Das hilft, sich mit sich selbst zu verständigen, sich mit seinen Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen, „rücklesend“ manches besser zu verstehen. Schreiben bringt dafür drei Vorteile:
Erstens kann man, wie schon erwähnt, zurückblättern und Abläufe im Nachhinein vielleicht besser begreifen.
Zweitens schreibt auch der schnellste Schreiber langsamer als Menschen denken – die Verarbeitung erfolgt intensiver.
Drittens ist man gezwungen, das, was man aufschreiben will, genau genug zu denken, um die richtigen Worte zu finden – vage Gefühle und blasse Ahnungen reichen dafür höchst selten.
Viertens, und das ist ein hilfreicher und zugleich riskanter Punkt, haben geschriebene Worte „mehr Gewicht“. Etwas schwarz auf weiß vor sich zu sehen, was man vorher kaum zu denken wagte, verleiht ihm „Realität“. Das ist gut für die Selbsterkennung, kann aber – wenn man sich auf diese Weise „schlimme“ Gedanken immer wieder selbst bestätigt – auch zerstörerisch sein. Worte – gesprochene, erst recht aber geschriebene – haben diese Macht.

Als drittes nun endlich die Gruppe derjenigen, die anderen das Geschriebene vorlegen. Vom puren Genuss der Anerkennung bis zum dringenden Bedürfnis, Weisheiten zu verkünden, reicht hier die Spanne der Motive. In allen Fällen ist dem Schreiber wichtig, Leser zu finden, die sich auf das Erzählte einlassen. Das müssen nicht unbedingt viele sein, manchem reicht die Familie als „Zielgruppe“. Aber wer nach einer ihm unangenehmen Kritik seinen Text mit „ich schreibe ja nur für mich“ verteidigt, lügt. Selbst wenn er es in diesem Moment selbst glaubt. Würde er nur für sich schreiben und wäre ihm egal, was andere sagen, hätte er es niemandem gezeigt.

Kurz zusammengefasst: Schriftsteller, Lyriker, Journalisten und Sachtextautoren wollen etwas mitteilen – eine Geschichte, einen Gedanken, eine Neuigkeit oder Wissenswertes. Solch ein Autor braucht also Leser (wenn er vom Schreiben leben will, sogar viele) und so muss er auch schreiben.