Verlage und „Verlage“

 

Was ist ein Verlag?

Verlage entstanden nicht im Buchwesen, sondern waren eine frühe Produktionsform. Statt wie heute Arbeiter an einen Ort zu holen, wo Rohstoffe und Maschinen vorhanden sind, stellte der Verleger Handwerkern Geld und/oder Material zu Verfügung (ging in Vorlage), kaufte ihm das Produkt dann zu einem geringeren Preis als üblich ab (bezahlte also de facto die geleistete Arbeit nach dem Stücklohnprinzip) und verkaufte es dann unter seinem Namen.

In der Medienwelt – also auch bei Büchern – ist der Text die Ware. Das heißt: Echte Verlage „gehen in Vorlage“, Geld (oder eine andere Vergütung) fließt nur vom Verlag zum Autor. Das heißt aber auch, dass nicht das physische Buch (bzw. heute das E-Book) zwischen Autor und Verlag den Besitzer wechselt: Rechtlich gesehen geht es bei Buchverlagen immer um die Nutzungs- und Verwertungsrechte. Nutzungsrecht heißt, den Text abzudrucken (bzw. auf elektronischen Geräten lesbar zu machen) und in dieser Form verkaufen zu dürfen, bei Verwertungsrechten wird der Text modifiziert (Übersetzung, Verwertung für Filme, Hörbuch etc. pp.). Das Ganze hat – zumindest in Deutschland – nichts mit dem Urheberrecht zu tun.

Und warum die Anführungsstriche?

Seit inzwischen vielen Jahren treten „Verlage“ mit einem anderen Konzept auf: Sie loben zuerst das eingesandte Manuskript über den grünen Klee und erwarten dann vom Autor eine finanzielle Vorleistung, oft „Druckkostenzuschuss“ (DKZ) genannt. Auch Lektoratsarbeiten oder andere Dienste lässt sich so ein „Verlag“ gern bezahlen. Solche „Verlage“ drucken – auch wenn sie es gern anders behaupten – nahezu alles, denn sie sind nicht davon abhängig, die Bücher auch gut verkaufen zu können (der Autor hat ja schon bezahlt).

Inzwischen hat es sich herumgesprochen, dass DKZ „böse sind“. Unternehmen, die auf diese Weise Autoren massiv abzocken, tarnen sich deshalb besser als früher. Sie erfinden neue Dinge, zu denen der Autor seinen Beitrag leisten – also zahlen – soll, oder tun so, als könne man Service-Pakete wählen, werden aber unleidlich, wann man nichts davon nimmt. Oder sie tun so, als böten sie die entsprechende Leistung (zum Beispiel ein Lektorat), diese hält dann aber keiner Qualitätskontrolle stand. Vor allem aber sind die Summen, die da verlangt werden, erheblich.

Bezahlen ist also schlimm?

Dem stehen ehrliche Dienstleister gegenüber. Diese lassen von Anfang an keinen Zweifel an ihrer Natur. Oft stehen schon auf der Homepage einige Grundpreise oder es wird ausdrücklich davon gesprochen, dass bestimmte Leistungen Geld kosten.

Der rasante Fortschritt in Sachen Internetkommunikation und Digitaldruck hat einen Boom auf diesem Gebiet gebracht. Die Auswahl streut breit und reicht von verlagsähnlichem Verhalten, wo von vornherein nur Texte mit einem Mindestmaß an Qualität angenommen werden, bis zu Plattformen, wo wirklich alles geht. Auch die Preise varriieren. Für Autoren, die sich als Selfpublisher versuchen wollen, hießt es also: Vergleichen! Tipp: Ein oft unterschätzter Punkt bei diesem Thema ist die Verbreitung – überlegen Sie gut, ob Sie lieber etwas mehr ausgeben möchte, dafür automatisch auf allen relevanten Buchshop-Plattformen vertreten sind!

Und dann wäre da noch der echte Selbstverlag bzw. das Selbst-Veröffentlichen, bei dem sich der Autor um alles selbst kümmert: Schreiben, Lektorat, Satz, Druck, Binden, Vermarkten. Heute ist das wegen der eben erwähnten Dienstleister eher selten so komplett nötig. Es ist auch nicht empfehlenswert. Viele Elemente werden von Selbstveröffentlichern anfangs unterschätzt; je nach Vorkenntnissen, Fähigkeiten und Möglichkeiten ist es durchaus sinnvoll, sich professionelle Hilfe für bestimmte Schritte zu suchen. Diese findet man auch außerhalb der Selfpublishing-Dienstleister bei den „Einzelgewerken“ wie Lektorat, Korrektorat, Graphiker (fürs Cover) und so weiter.

Verlag oder „Verlag“?

Was ist nun besser? Einen Verlag suchen oder einen „Verlag“ nutzen?

Für die allermeisten Autoren entscheidet sich die Frage schon bei der Tatsache, dass kein Verlag ihr Buch haben will. Die Gründe dafür liegen oft – aber eben nicht nur – in der Qualität des Textes. Manchmal hält man das Thema oder den Stil des Buches für zu speziell, um es in größeren Mengen verkaufen zu können. Manchmal hat man als Autor einfach den Aufsprung auf einen Trendzug verpasst und das Interesse beginnt bereits abzuklingen. Manchmal tummelt sich einfach schon zu viel von „sowas“ auf dem Markt.

Gesetzt den Fall, mit genügend Ausdauer fände sich schon ein echter Verlag für Ihr Buch, stehen Sie vor folgender Wahl:

Große Verlage bringen Ihnen das nicht zu überschätzende Prestige, „gut genug für XY“ zu sein. Sie haben Profis an der Seite, die Ihren Text optimieren helfen, dem Buch ein angemessenes (oder besser: dem Verkauf dienliches) Äußeres verleihen und die Profis in Sachen Werbung und Vermarktung haben. Nachteile: Es dauert lange, ehe das Buch rauskommt, und wahrscheinlich werden nicht alle Optimierungsideen bei Ihnen Begeisterung auslösen. Und Sie sollten beim rechtlichen Teil des Geschäftes nicht blauäugig sein. Dass es bei all dem trotzdem keine Garantie gibt, einen Bestseller zu landen, versteht sich von selbst.

Kleine Verlage bringen Ihr Buch schneller heraus. Die Optik ist in der Regel auch okay, nur die Optimierung des Textes lässt oft zu wünschen übrig – z. T. findet nicht mal eine ausreichende Rechtschreib- und Grammatikkontrolle statt. Die Güte des Vertriebssystems schwankt, immerhin haben kleine Verlage nicht selten Stammleser, denen genau diese spezielle Themen- oder Genre-Nische zusagt. Die Chance, einen Chart-Titel zu landen, ist extrem gering, weil einfach zu wenige (maßgebliche) Leute solche Verlage als „mit lesenwertem Programm“ wahrnehmen.

Selbst zu veröffentlichen, mit oder ohne Hilfe eines Selfpublishing-Dienstleisters, gibt Ihnen das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Sie können sich so zum Beispiel dem Termindruck entziehen, die Veröffentlichung schneller vorantreiben, beim Cover selbst bestimmen und so weiter. Inzwischen ist auch das Schund-Image selbstverlegter Bücher gebrochen. Zwar gibt es in der Tat in diesem Bereich viel Fragwürdiges und schlecht Gemachtes, was hartnäckige Nörgler an ihrem Vorurteil festhalten lässt, tatsächlich aber verkaufen sich Bücher von Selfpublishern mitunter so gut, dass sie von Verlagen „angeworben“ werden oder dass Verlagsautoren ganz oder teilweise in diesem Bereich tätig werden, da hier nicht nur die Freiheiten sondern schon bei mittlerem Absatz auch die erzielten Erlöse oder gar Gewinne größer sind.

Agentur

Es gibt übrigens auch Literatur-Agenturen. Deren Geschäft besteht darin, zwischen Autor und Verlag zu vermitteln. Das beginnt mit der Suche nach einem Verlag für den Text (oder der Suche nach einem guten Text für den Verlag), manchmal der Aufbereitung (Lektorat und Manuskriptoptimierung), reicht über die Vertragsverhandlungen bis hin zur Vermittlung in Sachen Lesungen und anderen Werbemaßnahmen.

Der Vorteil für Verlage: Sie müssen nicht selbst die Massen von Manuskripten auf Tauglichkeit für ihr Programm prüfen. Vorteil für den Autor: Die Agentur kennt ihre Verlage genau und weiß, wo es sich überhaupt lohnt, anzuklopfen. Sie ist zudem an lukrativen Verträgen interessiert, weil ihr eigener Gewinn davon mitabhängt.

Natürlich gibt es auch bei den Agenturen reichlich schwarze Schafe, die den Autor die nötigen Arbeiten (z. B. Lektorat) bezahlen lassen, in Wirklichkeit aber keine oder kaum Texte vermitteln. Bei seriösen Agenturen fällt nur im Erfolgsfall (also bei Vorliegen des gedruckten Werkes) eine Provision an.