Der manchmal gar nicht so kleine Unterschied

 

Sprache entwickelt sich, muss im Laufe der Zeit ein sich wandelndes, immer komplexeres Lebensumfeld abbilden können. Dabei sind einerseits die Möglichkeiten einer Sprache nicht unendlich groß, und zweitens entwickeln sich verschiedene Dinge auch mal aufeinander zu. Diese beiden Aspekte führen dazu, dass mitunter kleine Sprach-Abweichungen inhaltlich einen großen Unterschied ausmachen. In der gesprochenen Sprache ist manchmal allein die Betonung eines Satzes ausschlaggebend, in der Schriftsprache sind es Unterschiede bei einzelnen Satzzeichen oder Buchstaben bzw. beim Satzbau.

Lassen Sie mich mit den am meisten unterschätzten „Kleinigkeiten“ anfangen und dann nach und nach weitere Beispiele für angeblich „unerhebliche Unkorrektheiten“ zusammentragen …

Komma

Kommas gehören zu den meistunterschätzten Kleinigkeiten der deutschen Schriftsprache. Dabei können sie über Leben und Tod entscheiden: „Komm wir essen Oma!“ (Aus einer Foren-Signatur)

Auch juristisch sind sie nicht ohne: Das Programm auf DVDs beginnt für gewöhnlich mit Nutzungsrechtshinweisen der Art: „Das vorliegende Material ist nur für die private Vorführung bestimmt …“ In einigen Fällen steht da als nächstes: „Verboten ist jede andere, vollständige oder teilweise Nutzung“, was heißt, es ist jede andere Nutzung, jede vollständige und jede teilweise Nutzung verboten. (Kaufen darf man die DVD aber immerhin!) Gemeint ist hingegen: „Verboten ist jede andere vollständige oder teilweise Nutzung.“

Und es gibt noch mehr Bereiche, in denen die Winzlinge Großes bewirken. So entscheiden sie darüber, ob von diabetikergeeigneten Katzen die Rede ist wie in dieser Überschrift.

Ausgesprochen merkwürdig wird es bei „Ob ihr glaubt, was ich erzähle oder nicht, bliebt euch überlassen“. Ein Komma hinter „erzähle“ würde Wunder wirken.


Bindestrich

Zu den modernen Unsitten gehört das Weglassen von Bindestrichen. Liebe Leute! Nur weil das im Englischen Standard-Sprache ist, heißt das nicht, dass man das im Deutschen ungestraft nachmachen kann!

Am häufigsten trifft man auf Lebensmittelverpackungen auf kuriose Aussagen, die auf eine Bindestrich-Schwäche des „Beschrifters“ zurückzuführen sind. So kann man beispielweise Ländereien kaufen, unter anderem das „Land Leberwurst“ (wo auch immer das liegt). Komisch, dass dann „Land-Leberwurst“ in der Verpackung drin ist.

Neulich fragte ich bei diesem Werbeprospekt irritiert: Was soll ich mit 500 g Schale? Verwunderung beschlich mich auch hier. Zum Glück war aber doch ein Steak in der Packung. Dass es ein „Rinder-Steak“ und nicht ein „Rinder Steak“ war, ahnen Sie sicher schon. Jubel kam dagegen hier auf. Allerdings: Wie transportiere ich fast 2000 Burger?

Hier wird es nun richtig toll: Edeka ist neuerdings im Musikgeschäft, es hat eine ganz Band im Sortiment. Die „Nudeln“ stehen zudem unter Drogen (sind breit) – skandalös!

Doch nicht nur bei Lebensmitteln gibt es Seltsames. Hier werden zum Beispiel ganz ungeniert Damen und Kinder namens Stofftaschentücher angeboten. Und hier ist es der Sächsischen Zeitung einen ganzen Artikel wert, dass Herr Studis, Vorname Jura, Nachhilfe bekommt.

Apropos Menschenhandel: Wenn in einer Kleinanzeige „Verkaufe Mädchen und Jungenbekleidung“ steht, ist das hoffentlich nur ein Tippfehler …

Während einerseits Bindungen gescheut werden, neigt man andernorts zu zu fester Bindung: Hier wurde zum Beispiel schnell mal ein Name geändert. Ob „Boettcher-Keine“ nun der zweite Vorname oder der erste Teil des Nachnamens „Boettcher-Keine Ahnung“ ist, bleibt offen.

Groß- und Kleinschreibung

Zu den „beliebtesten“ Fehlern dieser Kategorie gehört das muntere Auswürfeln, ob man „Sie“ oder „sie“, „Ihr“ oder „ihr“ schreibt: Das führte hier schon zu Jubel meinerseits. Beinahe jedenfalls, denn mir fiel ein, dass ich in „Australia“ gar nicht vorkomme.

Getrennt- und Zusammenschreibung

Und noch einmal ein Beispiel für Menschenhandel: Diesmal offenbar zollfrei. Oder ohne Rezept? Wer weiß … Jedenfalls schön, dass die Autoren hier mitteilen, dass Herr Godoj sich selbst erworben hat. Vielleicht gab es ja wegen Eigenbedarf einen Nachlass …

Buchstaben und Silben

Der Klassiker in dieser Rubrik ist jener: „Schokolade in Massen“ ist so ziemlich genau das Gegenteil von „Schokolade in Maßen“. Auch beachtenswert: Eine „Malzeit“ ist keine „Mahlzeit“. Allerdings wird bei letzterer selten etwas „gemahlen“, während bei ersterer in der Regel „gemalt“ wird. Und ein „weißer Mann“ ist nicht zwangsläufig ein „weiser Mann“.

Neben diesen Worte-Paaren, deren „Tücke“ jedem bewusst sein sollte, gibt es natürlich auch noch weniger gebräuchliche Beispiele. So ist ein „Paneel“ eine Wandvertäfelung, ein „Panel“ dagegen eine respräsentative Gruppe in der Meinungsforschung.

Falsche Bezüge

Man staune dort: Servicekräfte, egal, wo gekauft? Sklavenhandel ist doch verboten …

Falsche Redewendungen

MDR.de kündigte einen Beitrag an mit „Das geplante Wagner-Denkmal von Balkenhol in Leipzig vor der ehemaligen Stasizentrale wirft Proteste hervor.“ Das ruft bei mir Fragen nach den Deutschkenntnissen des betreffenden Redakteurs auf.

Falsche Worte – knapp daneben ist auch vorbei

Im Text-Epilog des Filmes „Anna und der König“ kann man in der deutschen Fassung lesen, der Sohn von König Mongkut habe das Werk seines Vaters fortgeführt und unter anderem die Sklaven abgeschafft. – Menschlicher wäre gewesen, die Sklaverei abzuschaffen.

… und manchmal geht es auch richtig schief

Weihnachtsbräuche sind ja verschieden, aber das hier ließ mich doch staunen. Nicht nur, dass ich nicht weiß, wozu man „Scheibenfrost“ gebrauchen könnte, ich weiß noch nichtmal, was das ist. Der Hinweis „bis – 30 G“ half mir dabei auch nicht weiter, nichts aus der wikipedia-Liste ergab in diesem Zusammenhang irgendeinen Sinn.

Und zum Schluss noch was zum Rätselraten:

Ist ein Drucker|zeugnis eigentlich ein Druck|erzeugnis? Und heißt es nun das oder die Druckerei?