Missglückte Aufzählungen


In ungefähr der gleichen Größenordung wie die riskante Doppelnutzung von Wörtern liegt die Aufzählung von Satzelementen. Statt also „Otto lief, er schwamm und er radelte.“ zu schreiben, schreibt man „Otto lief, schwamm und radelte.“ Wo das Problem liegt? Zugegeben: Nicht in dieser simplen Konstruktion aus einfachem Subjekt und aktiven Ein-Wort-Prädikaten.

Es liegt bei Sätzen wie diesem, den ich in einer Rezension redigieren musste: „Die Bücher ließen mich wundern, schmunzeln, staunen und begeistern.“

Nehmen wir das mal auseinander: „Die Bücher ließen mich wundern. Die Bücher ließen mich schmunzeln. Die Bücher ließen mich staunen. Die Bücher ließen mich begeistern.“

Die beiden mittleren Sätze sind völlig in Ordnung.

Der letzte Satz heißt: „Die Bücher sorgten dafür, dass ich begeisterte.“ Das ist semantisch auch okay, war aber sicher nicht, das, was die Autorin sagen wollte. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Buch dafür sorgt, dass sein Leser irgendwen begeistert.

Und der erste Satz? Der sagt: „Die Bücher sorgten dafür, dass ich wunderte.“ Das nun ist auch semantisch falsch, es müsste heißen: „Die Bücher sorgten dafür, dass ich mich wunderte.“ Also: „Die Bücher ließen mich mich wundern.“ Wortdopplung? Scheint so. Münzt man es auf ein Nicht-Ich um – also z. B. „Die Bücher ließen ihn sich wundern.“ – wird jedoch schnell klar, dass die Wörter zwar gleich klingen, semantisch aber verschieden sind. Das eine „mich“ ist ein Objekt (wen lassen die Bücher?), das andere ist der reflexive Teil des Verbs „sich wundern“.

Soll man solche Aufzählungen also wegen solcher Probleme meiden? Nein, richtig machen reicht schon.