Standarddeutsch

Der Begriff Sprachpflege ist in meinem Verständnis eng mit dem Begriff der Standardsprache verbunden.

In Wikipedia findet man einen informativen Artikel zur Standardsprache. Dort wird der Begriff „Hochdeutsch“ als Synonym benutzt. Es hat in manchen Ohren einen elitären Klang und führt andere wieder zu sehr in die Tiefe der Sprachgeschichte, weshalb ich „Standardsprache“ als Begriff bevorzuge.

Standarddeutsch, wie ich es hier benutzen möchte, umfasst die Worte, Formulierungen, grammatischen und rechtschreiblichen Vorschriften, die praktisch als „Norm für Deutsch“ gelten und unabhängig von Region (Dialekt) und Lebensbereich (Fachsprache, Kietzsprache, Jugendsprache) als „richtig“ postuliert ist und von allen verstanden wird (oder werden sollte).

Es gibt „Schwankungen“ innerhalb dieser Standardsprache. Manches ist z. B. für bestimmte Regionen sehr typisch, wird aber überall verstanden. Anderes gilt in sehr großen Sprachgebieten als Standard (z. B. Schweiz), ist aber nicht Hochdeutsch für den gesamten Sprachraum. Auch die Standardsprache selbst umfasst bereits verschiedene Stilebenen und Inhaltsnuancen. Zudem unterliegt die Standardsprache zeitlichen Veränderungen, auch in kleineren als „historischen“ (also mehrere Generationen umfassenden) Zeiträumen. Sprachpflege soll hier dafür sorgen, dass diese Änderungen klein genug bleiben, damit über viele Generationen hinweg Verständlichkeit der Sprache gewahrt bleibt.

Sprachpflege, die ich auf dieser Seite meine, bezieht sich also auf Standarddeutsch als Basis für das gegenseitige Verstehen. Regionale oder milieugeprägte Sprachmuster und Dialekte sind deshalb nicht weniger wert. Ganz im Gegenteil: Aus ihnen erwächst einerseits die Lebendigkeit der Sprache und sie bringen andererseits zusätzliche Ausdruckskraft ein (wobei diese begrenzt, zum Teil sogar eng begrenzt ist).

Beispiele

Ein typisches Beispiel für den Unterschied zwischen regionalen Sprachmustern (außerhalb der Dialekte) und der Standardsprache sind Formulierungen wie „Er ist dort gestanden.“ – das ist standardsprachlich falsch, egal wie hartnäckig es in Süddeutschland benutzt wird und welche „logischen“ Erklärungen der Verteidiger dieser Form dafür heranzieht.

Nicht zum Standarddeutsch gehört auch „Den Pullover gibt es schon um 5,99 Euro.“ – „für 5,99 Euro“ ist korrekt. Während der Fall oben für Nicht-so-Sprecher nur seltsam klingt, kann es hier zu Irritationen kommen. „Den Pullover gibt es um 5 Euro“ kann von Nicht-so-Sprechern leicht als „Den Pullover gibt es für einen Preis um die 5 Euro herum“ verstanden werden. Nun kommt es bei 5 Euro sicher kaum auf ein paar Prozent Schwankung an, bei einem Hauskauf wird es aber schon wichtig.

„Das Service kostet 30 Euro“, wird der Bundesdeutsche immer als „Dieses Geschirrset kostet 30 Euro“ verstehen (es sei denn der Kontext passt überhaupt nicht dazu), dabei meint der Schweizer wahrscheinlich, dass 30 Euro für eine bestimmte Dienstleistung zu berappen sind.

Wie man sieht, erzeugt eine Abweichung vom Standarddeutsch nicht immer nur „harmlose“ Effekte. Deshalb ist das Wissen um die „korrekte Form“ so wichtig.

Pflege der Nicht-Standard-Sprachen

Auch wenn mein Hauptanliegen das Pflegen des Standarddeutsch ist, spreche ich nicht gegen die Pflege anderer Sprachformen. Sprache ist kulturprägend und in diesem Zusammenhang stark identitätsstiftend. Dialekte und Mundarten gehören zu unserem kulturellen Erbe und sollen gepflegt werden. Und auch Milieusprache und regionale Sprachformen, die sich nur punktuell vom Standarddeutsch unterscheiden, haben ihre Berechtigung. Worauf es mir hierbei ankommt, ist, das Bewusstsein zu wecken und zu unterstützen, dass es sich eben um vom Standard abweichende Sprachformen handelt und dass man die standardsprachliche „Version“ ebenfalls erkennen und bei Bedarf anwenden können sollte.