Wer ist für die Sprachpflege verantwortlich?

Die einfachste Antwort auf diese Frage ist: jeder. Schon im eigenen Interesse sollte man in der Lage sein, zu verstehen, was gesagt bzw. geschrieben wird, statt es nur zu vermuten.

Die Hauptverantwortung allerdings tragen all jene, die mit Text und Sprache an die Öffentlichkeit gehen und als Fachleute dafür wahrgenommen werden – Journalisten vor allem, aber auch Werbetexter und natürlich Buchautoren. So naiv wie das klingen mag: Sie sind die Vorbilder. Wenn sie, die Fachleute, lax mit Sprache umgehen, warum sollte es dann der Laie nicht dürfen?

Mehr noch: Was diese Fachleute „fabrizieren“, wird gemeinhin als richtig wahrgenommen. Die meisten Menschen denken (wenn ein „Werk“ nicht gerade massiv neben der Norm liegt) nicht über „künstlerische Freiheiten“ nach, sondern nehmen die gebotene Sprache als „richtige Sprache“ wahr. (Abgesehen davon ist es nicht die Aufgabe des Journalismus, Kunst zu machen.)

Lassen Sie mich einen genaueren Blick auf die Werbung werfen: Natürlich ist den meisten Menschen klar, dass die Aufgabe der Werbung nicht in der Vermittlung von korrektem Deutsch besteht, sondern darin, Aufmerksamkeit zu wecken. Grobe Verballhornungen werden durchaus als solche erkannt. Zumindest, wenn man in einem gewissen Reifestadium ist. Kinder haben diesen „Sinn“ nur eingeschränkt. Jugendliche übernehmen es als coolen Spruch, es wird zur „üblichen Sprache“ der entsprechenden Kreise und färbt ab, selbst wenn die Verballhornung an sich nicht „überlebt“. Von durch permanente Wiederholungen als „richtig“ in die Köpfe geimpften „kleinen“ Fehlern ganz zu schweigen. Oder glauben Sie, eine halbwegs akzeptable Zahl an Deutschen stört sich daran, wenn ein Möbelhaus mit „0 % Finanzierung“ wirbt? Alle tun so, als sei dies das selbe wie eine „0-%-Finanzierung“. Ist es nicht. Das erste heißt „Hier wird nichts finanziert – bezahlen Sie gefälligst die gesamte Kaufsumme sofort!“, das zweite „Bei uns zahlen Sie keine Zinsen beim Ratenkauf.“

Ich will es konkret machen und nennen, wer (von „Bildungsorganen“ mal abgesehen, da ist es wohl klar) am meisten für die Sprachpflege tun kann: als erstes und vor allen anderen die Journalisten und Redakteure aller Medien und dicht dahinter die Werbetexter und Werbetext-Gestalter, die Sprache nur in Ausnahmefällen „verbiegen“ sollten und dann auch so, dass der „Fehler“ augenfällig ist. Sprachpflege obliegt natürlich auch den Autoren und Verlegern jeglicher Bücher und Broschüren. Verantwortung tragen „Öffentlichkeitsarbeiter“ von Vereinen, Gemeinden, Parteien und wer sonst noch Öffentlichkeitsarbeit betreibt.

Verantwortlich sind aber durchaus auch Hobby-Autoren von Beiträgen im Internet – seien es Blogger, Webseiten-Betreiber oder sogar Leute, die in Foren oder auf anderen Plattformen aktiv sind. Bei aller Freiheit und allen Einschränkungen, die aus individuellen Sprach(un)kenntnissen erwachsen: Wer meint, es „käme schließlich nur auf den Inhalt an“, missachtet gröblichst, dass diese Inhalte schließlich per Sprache transportiert werden. Abgesehen von Chat und Diskussionen in Foren dürfte in nahezu jedem Fall jemand zu finden sein, der bei Bedarf „mal drüberschaut“, ob alles richtig geschrieben und verständlich ausgedrückt ist. Und sei es im Nachhinein – im Internet kann man (im Gegensatz zu Gedrucktem) meist noch nachträglich ändern.