Woher kommt die Bedeutung der Worte?

Wofür ein Wort steht, ist irgendwann festgelegt worden. Im Laufe der Zeit verändern sich die Worte. Viele klingen anders oder/und die Dinge, die gemeint sind, ändern sich. Aber auch dabei einigen sich die Benutzer der jeweiligen Sprache, welche der möglichen Änderungen sich durchsetzt.

Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit: Als das Funktelefon erfunden wurde und jemand fand, dass – weil es „handgerecht“ war – der Begriff Handy gut passt, war das eine Festlegung von ihm. Derjenige benutzte das Wort, musste es am Anfang vielleicht erklären, indem er dabei auf ein Handy zeigte, und andere fanden, das sei wirklich passend. Sie benutzten es auch, erklärten es dem nächsten und so weiter und so weiter. Heute ist das ein Wort, das jeder Deutsche versteht. Genauso gut denkbar wäre aber auch die Variante, dass wir uns der englischen Abkürzung von „mobiles Telefon“ = „Mobile“ hätten anschließen können.

Der Haken ist: Diese Zuordnung der Bedeutung ist nicht naturgegeben. Stellen Sie sich vor, Herr X hat das Wort „Thron“ immer nur im Zusammenhang mit „Toilette“ gehört. Für ihn ist „Thron“ gleich „das Ding, auf dem man zum Kacken und Pinkeln sitzt“. Stellen Sie sich weiter vor, in seiner Umgebung kennt das Wort überhaupt keiner und erst Herr X führt es in den dortigen Wortschatz ein. Diese Menschen werden das Wort in diesem Sinne benutzen und niemand wird das komische Gefühl haben, dass da was nicht stimmt. Das kommt erst, wenn einer diesen Sprachraum verlässt und den Satz hört „Auf seinem Thron sitzend nahm der Herrscher die Huldigungen seiner Gäste entgegen.“ Oder jemand spricht gar von „inthronieren“ – was Herr X da wohl verstehen mag!

… und nicht nur Worte!

Was anhand einzelner Worte leicht nachvollziehbar ist, gilt auch für Wortgruppen (jeder Größe). So kann ein Wort innerhalb einer bestimmten Wortgruppe seine Einzel-Bedeutung mehr oder weniger stark ändern, es gibt feststehende Redewendungen und sogar die unterschiedliche Platzierung der Gruppen zu- und die Verknüpfung der Gruppen miteinander kann mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt sein. (Das Fachwort für diesen Bedeutungskomplex der Sprache lautet „Semantik“.)

In der Schriftsprache, die auf das Mittel von Betonungen und Pausen verzichten muss, nehmen auch Satzzeichen eine bedeutungstragende Stellung ein. Sie zeigen einige „mündlichen Sprachmittel“ – Betonungen und Pausen – in sinngebenden Fällen an. Einfachstes Beispiel: „Du bist krank.“ ist eine Feststellung. „Du bist krank?“ ist eine Frage.

Wer bestimmt?

Wortbedeutungen variieren – je nach Region, je nach Epoche, ja sogar je nach Sprachebene innerhalb einer Epoche und Region. Deshalb gehört neben einem Nachschlagewerk zur Rechtschreibung (gemeinhin „Duden“ genannt) auch ein Wörterbuch zur Grundausstattung von Schreibhandwerkern und idealerweise jeden Haushalts. Beides sollte aktuell sein.

Während der „Duden“ noch verhältnismäßig klar formulieren kann, wie etwas – an den amtlichen Regeln gemessen – geschrieben wird, erreicht man mit einem üblichen Wörterbuch hin und wieder nicht die Verdeutlichung jede Bedeutungsnuance. Trotzdem ist die darin notierte Festlegung besser als keine Festlegung.

Aufgelegt werden können solche Nachschlagwerke praktisch von jedem. Als kompetenteste Sprachexperten gelten heute unter anderem die Fachleute im Dudenverlag (Bibliographisches Institut GmbH).