Warum Geschichten „schön“ sein sollen

 

Trotzdem: So tief verankert wie die Neugier in uns ist, sie ist dennoch ein Energiefresser. Wir aktivieren diesen „Sinn“ nicht, wenn nicht wenigstens eine ganz geringe Chance besteht, tatsächlich etwas Neues und/oder Brauchbares zu erfahren.

Was als „neu“ und was als „brauchbar“ eingestuft wird, ist individuell sehr verschieden und lässt sich im Einzelfall oft auch gar nicht klar benennen. Nicht selten bezieht es sich sogar nur auf die Form, auf die Erscheinung, und spricht damit den uralten Instinkt an, dass man bei ungewöhnlichen Erscheinungen damit rechnen sollte, mit ungewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert zu werden.

Deshalb also konsumieren wir nicht jede Information oder Geschichte, die uns vorgesetzt wird (wir wären heillos überfordert), sondern wählen aus. Es muss spannend sein, interessant, berührend – einfach gut eben. Mag sein, dass man sich manchmal der Vernunft halber auch durch langweilige Texte quält, aber der Lerneffekt ist dabei nachweislich kleiner als bei gut dargebotenem Stoff.

Ist das nicht das Gleiche, wie unter „Let’s have fun!“ gesagt? Nicht ganz: Jede neue Geschichte bringt ein „Spaß-Potential“ mit – je nach Interessenslage des Zuhörers bzw. Lesers natürlich –, hier geht es um den Spaß-Faktor, der durch die Darbietung entsteht. Das Element der Form, der Darbietung ist wesentlich dafür, auch inhaltlich eher mäßig Interessantes „an den Mann“ zu bringen. Oder in der riesigen Menge an inhaltlich interessanten Texten die Aufmerksamkeit auf diese oder jene Geschichte zu lenken.